Gert Frentz
Gert Frentz leitet den Familienbetrieb in Ahaus und ist auf die Erziehung und Pflege von Spalierbäumen spezialisiert. Die Baumschule besteht seit 1860.
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Spalierbaum oder Hainbuchenhecke: Welcher Sichtschutz lohnt sich wirklich?
Eine Hainbuchenhecke kostet pro Pflanze rund vier Euro. Ein Hainbuche-Spalier in vergleichbarer Endhöhe kostet zwischen 250 und 350 Euro. Auf den ersten Blick scheint die Sache damit entschieden. Ist sie aber nicht. Denn der Pflanzenpreis ist die unwichtigste Zahl in dieser Rechnung.
Wer Spalierbaum und Hainbuchenhecke nur über den Stückpreis vergleicht, übersieht drei Posten, die jeden Pflanzenpreis in den Schatten stellen: den Quadratmeter Garten, den Sie über Jahre an die Hecke verlieren, die drei bis fünf Jahre, die eine junge Hecke bis zum vollen Sichtschutz braucht, und den Schnittaufwand, den Sie ab dann jedes Jahr haben. Wir nehmen beide Optionen unter die Lupe und sagen offen, wann welche gewinnt.

Der eigentliche Unterschied liegt nicht im Pflanzenpreis
Eine klassische Hainbuchenhecke wird mit zwei bis drei Pflanzen pro laufenden Meter gesetzt. Damit sie wirklich blickdicht wird und nicht in der Mitte ausdünnt, braucht der Pflanzstreifen mindestens 80 Zentimeter Breite. Bei einer Endhöhe von 180 Zentimetern verbreitert sich die Hecke auf etwa 100 Zentimeter. Das bedeutet auf 30 Meter Grundstücksgrenze: 30 Quadratmeter Bodenfläche, die nicht mehr Ihrem Garten gehören, sondern der Hecke.
Ein Hainbuche-Spalier braucht eine Pflanzfläche von 30 mal 30 Zentimetern. Eine Reihe aus zehn Spalierbäumen über dieselbe 30-Meter-Grenze verbraucht weniger als ein Quadratmeter. Sie sparen also rund 29 Quadratmeter Garten. Bei Stadtgrundstücken liegt der Bodenpreis je nach Region zwischen 300 und 1.500 Euro pro Quadratmeter. Selbst am unteren Ende sind das fast 9.000 Euro Grundstückswert, den Sie unter der Hecke begraben. Diese Zahl steht in keinem Pflanzkostenvergleich.
Das ist nicht das einzige Argument für den Spalierbaum, aber es ist das, das in den allermeisten Ratgebern vollständig fehlt. Die anderen Faktoren (Zeit, Schnittaufwand, Wirkung im Winter) kommen oben drauf.
Wann eine Hainbuchenhecke die richtige Wahl ist
Wir verkaufen Spalierbäume, aber wir sind nicht der Meinung, dass jeder Garten einen braucht. Es gibt klare Situationen, in denen die Hecke das überlegene Konzept ist.
Bei Grundstücken über 800 Quadratmetern verliert das Quadratmeter-Argument an Gewicht. Wer auf 25 Meter Grenze einen Meter Hecke opfert, gibt 25 Quadratmeter auf einem Areal von 800 Quadratmetern ab. Das sind drei Prozent. Hier zählt der Charakter der Hecke mehr als der Platz, den sie kostet. Eine Hainbuchenhecke trägt im Winter ihr braunes Laub bis zum Neuaustrieb, bietet Brutplätze für Singvögel und passt zu jeder ländlichen oder klassischen Gartenarchitektur. Sie hat eine Tiefe und Lebendigkeit, die ein Spalier nicht imitiert.
Eine Hainbuchenhecke ist außerdem die richtige Wahl, wenn Sie Zeit haben. Wer einen Garten neu anlegt und plant, in fünf Jahren erste Privatsphäre zu haben, kann mit kleineren und günstigeren Heckenpflanzen starten. Bei 60 Zentimeter hohen Containerpflanzen für drei bis vier Euro pro Stück bleiben die Investitionskosten pro Meter überschaubar, vorausgesetzt die ersten Jahre ohne Sichtschutz sind für Sie kein Problem. Ausführliche Informationen zur Pflanzung finden Sie auf unserer Seite zur Pflanzanleitung.
Wann ein Spalierbaum die Hecke schlägt
Bei Grundstücken unter 500 Quadratmetern dreht sich die Logik um. Dort wird jeder verlorene Quadratmeter sichtbar. Ein zwei Meter breiter Heckenstreifen entlang der Terrasse verkleinert die Terrasse selbst, schluckt Licht und nimmt Bewegungsraum weg. Das ist ein Stadtgarten-Problem, und es ist der häufigste Grund, warum unsere Kunden ursprünglich eine Hainbuchenhecke angefragt haben und am Ende einen Hainbuche-Spalier bestellt haben.
Der zweite Punkt ist Zeit. Wer in dieser Saison gebaut, gezogen oder umgebaut hat und in diesem Sommer Sichtschutz braucht, kann nicht drei Jahre warten. Ein Spalierbaum kommt in seiner Endhöhe und Endbreite zu Ihnen. Was Sie pflanzen, ist das, was Sie sehen. Das ist der Grund, warum sich die Kategorie Spalierbäume Sichtschutz in den letzten Jahren so stark entwickelt hat.
Es gibt auch eine optische Komponente, über die wenig gesprochen wird. Ein Spalierbaum trennt nicht so massiv wie eine Hecke. Unten bleibt freier Blick, oben entsteht der Sichtschutz auf Augenhöhe und höher. Sie sehen aus dem Wohnzimmer auf einen luftigen Garten mit grünen Wänden auf Höhe der Sitzgruppe, nicht auf eine 30 Meter lange grüne Mauer. Bei modernen, klar gegliederten Architekturen passt dieser Effekt oft besser als eine traditionelle Hecke.
Die Rechnung, die fast alle Vergleichs-Ratgeber falsch machen
Die meisten Online-Vergleiche stellen den Pflanzpreis einer Hainbuchenhecke gegen den Pflanzpreis eines Spalierbaums und kommen zu einem klaren Sieger: die Hecke ist günstiger. Diese Rechnung ist nicht falsch, sie ist nur unvollständig. Wer Sichtschutz plant, kauft keine Pflanzen, sondern fertigen Sichtschutz auf einer bestimmten Länge. Vergleichen Sie also den Preis pro Meter fertigem, blickdichtem Sichtschutz.
Ein Rechenbeispiel über 20 Meter Grenzlänge mit Zielhöhe 180 Zentimeter:
| Posten | Hainbuchenhecke | Hainbuche-Spalier |
|---|---|---|
| Pflanzen für 20 Meter | 40 bis 60 Stück Containerware 80 cm, je ca. 8 bis 12 € | 10 Spaliere 180 × 180 cm |
| Pflanzkosten gesamt | ca. 400 bis 720 € | ca. 2.500 bis 3.500 € |
| Bodenfläche verbraucht | ca. 20 m² | ca. 1 m² |
| Zeit bis voller Sichtschutz auf 180 cm | 3 bis 5 Jahre | sofort bei Anlieferung |
| Schnittaufwand pro Jahr | 2 Durchgänge, 4 bis 6 Stunden | 1 Durchgang, 1 bis 2 Stunden |
Auf den ersten Blick ist die Hecke 2.000 Euro günstiger. Auf den zweiten Blick haben Sie aber 19 Quadratmeter Garten mehr unter der Hecke begraben. Bei einem Stadtgrundstück mit einem Bodenrichtwert von 500 Euro pro Quadratmeter entspricht das 9.500 Euro an gebundenem Grundstückswert. Die Hecke wird damit zum teuersten Posten in der Rechnung. Bei 1.000 Euro Bodenrichtwert sind es 19.000 Euro.
Dazu kommen drei bis fünf Jahre ohne vollen Sichtschutz und der spätere Mehraufwand beim Schneiden. Hainbuchenhecken brauchen zwei Schnitte pro Jahr, im Juni und Ende August, wenn sie dicht bleiben sollen. Ein Spalierbaum wird einmal jährlich geschnitten, im Spätsommer, und ist in einer guten Stunde pro Stück fertig. Eine ausführliche Anleitung dazu finden Sie in unserem Beitrag Wie Sie einen Spalierbaum schneiden.
Wir behaupten nicht, dass der Spalierbaum bei jedem Grundstück gewinnt. Wir behaupten, dass die übliche Vergleichsrechnung das falsche Ergebnis liefert, weil sie nur einen einzigen Posten betrachtet. Wer ehrlich rechnet, kommt bei Stadtgrundstücken unter 500 Quadratmetern fast immer beim Spalierbaum heraus. Bei ländlichen Grundstücken über 800 Quadratmetern oft bei der Hecke. Dazwischen wird es eine Frage von Architektur, Geschmack und Geduld.
Hainbuche kann beides, und macht die Entscheidung manchmal überflüssig
Was viele nicht wissen: Spalierbaum und Hainbuchenhecke sind oft dieselbe Pflanze. Carpinus betulus, die Gemeine Hainbuche, lässt sich sowohl zur klassischen Hecke ziehen als auch über mehrere Jahre zum Spalierbaum erziehen. Das Ergebnis hängt vom Schnitt und vom Erziehungssystem ab, nicht von einer anderen Sorte.
Für Sie heißt das: Sie müssen sich nicht zwischen Hainbuche und etwas Anderem entscheiden. Sie entscheiden zwischen zwei Formen derselben Pflanze. Mit demselben Wurzelsystem, derselben Winterhärte (bis Zone 5b unproblematisch) und demselben braunen Winterlaub. Wer eine bestehende Hainbuchenhecke ergänzen möchte, kann mit einem Hainbuche-Spalier Lücken füllen, in denen der Heckenstreifen zu schmal wird, ohne den Pflanzencharakter zu wechseln. Optisch fügt sich beides nahtlos zusammen.
So entscheiden Sie in vier Fragen
Bevor Sie bestellen, beantworten Sie diese vier Fragen ehrlich:
- Wie groß ist mein Grundstück? Unter 500 Quadratmetern fast immer Spalierbaum. Über 800 fast immer Hecke. Dazwischen weiterlesen.
- Wann brauche ich vollen Sichtschutz? In dieser Saison, dann Spalierbaum. In drei bis fünf Jahren, dann reicht die Hecke.
- Wie viel Schnittaufwand will ich pro Jahr? Maximal zwei Stunden, dann Spalierbaum. Vier bis sechs Stunden sind kein Problem, dann ist die Hecke möglich.
- Will ich oben oder durchgehend Sichtschutz? Wenn Sie unten freien Blick auf den Garten behalten möchten, kann die Hecke nicht mithalten. Wenn Sie auf voller Höhe trennen wollen, geht beides.
Wer bei drei der vier Antworten klar in eine Richtung tendiert, hat seine Antwort. Bei gemischtem Ergebnis lohnt sich ein Gespräch mit uns über die konkrete Situation. Eine Übersicht aller passenden Sorten finden Sie in unserer Kategorie immergrüne Spalierbäume, falls Ihnen die laubabwerfende Hainbuche zu wenig Schutz im Winter bietet.
Häufige Fragen
Wie hoch wird eine Hainbuche als Spalier?
Die Endhöhe hängt von der Stammhöhe ab, die Sie wählen. Übliche Stammhöhen liegen zwischen 180 und 220 Zentimetern, die Krone wird in der Regel 150 bis 200 Zentimeter hoch geführt. In Summe ergeben sich Gesamthöhen zwischen 330 und 420 Zentimetern. Theoretisch ließe sich die Hainbuche höher führen, in der Praxis wird sie aber meist auf Sichtschutzhöhe gehalten.
Was sind die Nachteile der Hainbuche?
Die Hainbuche ist nicht immergrün. Sie wirft im Spätherbst zwar nicht ihr braunes Laub ab, sondern behält es als wintergrünen Behang bis zum Neuaustrieb, aber der Sichtschutz wird im Winter etwas durchlässiger. Im Schnitt verlieren Sie 15 bis 25 Prozent der Blickdichte. Wer das nicht akzeptieren möchte, sollte eine echt immergrüne Alternative wählen, etwa Steineiche oder Kirschlorbeer.
Welche Bäume eignen sich als Spalier-Sichtschutz?
Neben der Hainbuche eignen sich Steineiche (Quercus ilex), Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), Glanzmispel Red Robin (Photinia) und Platane (Platanus). Für immergrünen Sichtschutz sind Steineiche und Kirschlorbeer die erste Wahl. Wer Blütenpracht möchte, schaut sich Amberbaum oder Felsenbirne als Spalier an. Eine Übersicht aller Sorten und ihrer Eignung finden Sie in unserer Kategorie Baumarten als Spalier.
Wie sieht eine Hainbuche als Spalier im Winter aus?
Die Hainbuche behält ihr Laub den Winter über, allerdings braun verfärbt. Erst der frische Austrieb im April schiebt das alte Laub ab. Optisch ist das eine warme braungoldene Wand statt eines kahlen Spaliers. Wer das schätzt, hat in der Hainbuche einen zuverlässigen Wintersichtschutz. Wer eine grüne Wand auch im Januar will, sollte zur immergrünen Steineiche greifen.
Was ist günstiger pro laufendem Meter, Hecke oder Spalier?
Pro Meter Pflanzpreis ist die Hecke etwa drei- bis viermal günstiger. Pro Meter fertigem Sichtschutz auf 180 Zentimeter Höhe innerhalb desselben Jahres ist der Spalierbaum günstiger, weil eine vergleichbar hohe Heckenpflanze (mit 175 bis 200 cm Anfangshöhe) ähnlich viel kostet wie ein Spalierbaum, dabei aber 100 cm Pflanzstreifen verbraucht.
Was wir Ihnen empfehlen
Wenn Sie einen Garten unter 500 Quadratmetern haben und in diesem Jahr Sichtschutz wollen, ist der Spalierbaum fast immer die bessere Wahl. Bei großen Grundstücken oder klassischen Gartenanlagen mit Zeit zum Wachsen ist die Hainbuchenhecke ihr Geld wert. Und wenn Sie sich nicht entscheiden können, hilft Ihnen der Umstand, dass beide Lösungen mit derselben Pflanze möglich sind. Sehen Sie sich unsere Auswahl an Spalierbäumen für Sichtschutz an, oder rufen Sie uns einfach an, wenn Ihre Situation zwischen den klaren Fällen liegt.
Über den Autor
Gert Frentz leitet den Familienbetrieb in Ahaus und ist auf die Erziehung und Pflege von Spalierbäumen spezialisiert. Die Baumschule besteht seit 1860 und beliefert Privatkunden und Garten- und Landschaftsbauer in ganz Deutschland.




